Linux Cafés organisieren: Erfahrungsbericht vom End-of-10-Workshop in Dessau

Warum Linux Cafés?
Am 14. Oktober 2025 hat Microsoft den Support für Windows 10 eingestellt. Für Millionen von Rechnern, die nicht die Hardware-Anforderungen für Windows 11 erfüllen, bedeutet das: keine Sicherheitsupdates mehr – und für viele Nutzer:innen die Frage, ob ihr Computer auf dem Elektroschrott landen muss.
Die Antwort: Nein. Mit Linux lassen sich diese Geräte weiter sicher und produktiv nutzen. Genau hier setzt die End-of-10-Kampagne an, eine Initiative von KDE Eco, die Menschen beim Umstieg unterstützt – und Repair Cafés, Linux User Groups und Freiwillige vernetzt.
Der Workshop in Dessau
Am 13. und 14. März 2026 fand in Dessau ein Workshop statt, bei dem sich Engagierte aus ganz Deutschland trafen, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Strukturen aufzubauen. Organisiert im Rahmen der End-of-10-Kampagne, ging es um eine zentrale Frage: Wie organisiert man ein Linux Café, das wirklich hilft?
Die Teilnehmer:innen kamen aus unterschiedlichsten Kontexten: Repair Cafés, Linux User Groups, Volkshochschulen und private Initiativen. Unser Kollege Goetz van Rissenbeck war ehrenamtlich dabei – als Teilnehmer und technischer Beitragender.
Themen und Ergebnisse
Struktur von Linux Cafés
Ein Linux Café ist mehr als eine Installationsparty. Der Workshop hat herausgearbeitet, welche Formate funktionieren:
- Einmalige Veranstaltungen mit offenem Nachsorge-Angebot
- Regelmäßige Treffen (z. B. alle zwei Wochen mit begrenzter Teilnehmerzahl)
- Info-Vorträge als niedrigschwelliger Einstieg, bevor es an die Installation geht
- 1:1-Betreuung bei der eigentlichen Installation
Wichtige Erkenntnisse aus der Praxis:
- Anmeldung ist sinnvoll, um Erwartungen und Kenntnisstand vorab zu klären
- Voraussetzungen kommunizieren: Daten sichern, externe Festplatte mitbringen
- Auf das Wording achten: „Deine Daten sichern" statt „Backup machen"
- Nachsorge einplanen: eine regelmäßige Linux-Sprechstunde, eine Signal-Gruppe oder ein Forum
Wissensdatenbank auf Codeberg
Ein Kernthema des Workshops war der Aufbau einer gemeinsamen Wissensdatenbank für Linux Cafés. Die Idee: Statt dass jede Initiative das Rad neu erfindet, sammeln wir Lösungen für wiederkehrende Probleme an einem Ort.
Die Datenbank wird als Hugo-Projekt auf Codeberg entwickelt. Das Repository befindet sich derzeit noch in privater Hand und soll mittelfristig an eine Organisation (z. B. die End-of-10-Community auf Codeberg) übergeben werden.
👉 Repository: codeberg.org/indux/LCRKB
Die geplante Struktur orientiert sich an den typischen Hürden bei der Linux-Installation:
- Installation – Secure Boot, BIOS-Tasten, Installer-Probleme
- Hardware – WLAN-Treiber, Grafikkarten, Drucker
- Linux-Grundlagen – Kommandozeile, Paketverwaltung, erste Schritte
- Veranstaltungsorganisation – Planung, Durchführung, Nachsorge
Beiträge werden als Markdown-Dateien mit Tags eingereicht, sodass die Inhalte durchsuchbar und kategorisierbar sind.
Druckmaterialien und Öffentlichkeitsarbeit
Der dritte Schwerpunkt lag auf Materialien, die Linux Cafés für ihre Arbeit brauchen:
- Flyer-Vorlagen mit nicht-technischen Argumenten für den Umstieg
- Fertige Präsentationen für Info-Vorträge
- Marketing-Materialien unter offenen Lizenzen (Open Educational Resources)
Warum dieses Engagement?
Goetz engagiert sich ehrenamtlich für Reparaturkultur, Open Source und digitalen Zugang – der Workshop in Dessau war Teil davon. Wir freuen uns, wenn unsere Kolleg:innen sich neben der Arbeit für Themen einsetzen, die ihnen wichtig sind, und unterstützen das gern.
Die End-of-10-Kampagne trifft einen Nerv: Es geht um Nachhaltigkeit (funktionsfähige Hardware nicht wegwerfen), digitale Teilhabe (Menschen nicht von Sicherheitsupdates abschneiden) und Selbstbestimmung (die Wahl des Betriebssystems als bewusste Entscheidung).
Weiterführende Links
- End of 10 – Die Kampagne
- KDE Eco – Nachhaltigkeit in der Software
- Wissensdatenbank für Linux Cafés (Codeberg-Repository)
- DI.Day – Digital Independence Day
- Awesome List: Linux Support für neue Nutzer:innen
Titelbild: Tux, das Linux-Maskottchen, erstellt von Larry Ewing mit The GIMP. Verwendung gemäß den Bedingungen des Urhebers: Nennung von Larry Ewing und The GIMP.